PRÄSENZ – bleiben oder gehen
- Susanne Bäggli

- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Situationen im Leben, da wissen wir nicht, ob Bleiben oder Gehen richtig ist.
Nicht, weil wir uns nicht entscheiden können - sondern, weil beides etwas kostet.
Ich kenne das gut.
Ich bin geblieben, obwohl ich längst hätte gehen müssen.
Und ich bin gegangen, obwohl ein Bleiben vielleicht heilsamer gewesen wäre.
Im Alltag zeigt sich das selten dramatisch. Es sind die kleinen Dinge: Ein Gespräch, das wir meiden. Eine Spannung, die wir übergehen. Ein inneres Ziehen, das wir nicht ernst nehmen.
Manchmal bleiben wir aus Loyalität. Aus Angst vor Verlust. Oder weil wir gelernt haben, dass Aushalten Stärke sei.
Und manchmal gehen wir aus Erschöpfung. Aus Überforderung. Oder weil wir nicht gelernt haben, Spannung auszuhalten.
Beides fühlt sich im Moment oft richtig an und zeigt seine Wirkung erst später.
Bleiben kann bedeuten, sich selbst zu verraten.
Gehen kann bedeuten, sich selbst zu verlieren.
Der Unterschied liegt nicht im Tun. Sondern darin, ob wir mit uns in Kontakt bleiben.
Nicht weggehen heisst dann nicht, auszuhalten.Und gehen heisst nicht automatisch, für sich zu sorgen.
Präsenz zeigt sich im Alltag dort, wo wir innehalten, bevor wir reagieren. Wo wir spüren: Handle ich gerade aus Klarheit – oder aus Schutz?
Diese Frage ist leise - aber sie verändert vieles.
In meiner Arbeit begegne ich diesen Momenten immer wieder.
Menschen kommen nicht mit der Frage „Was ist richtig?“,
sondern mit dem Gefühl: Ich weiss gerade nicht mehr, was mir entspricht.
Dann geht es nicht um schnelle Lösungen, sondern darum, wieder in Kontakt zu kommen:
Mit dem Körper, mit den inneren Signalen, mit dem, was leise da ist.
Erst aus diesem Kontakt wird sichtbar, ob Bleiben nährt oder Gehen stimmig ist.
Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und bei dir hinschauen:
· Wo bleibst du gerade, obwohl etwas in dir gehen möchte?
· Und wo gehst du, obwohl etwas in dir bleiben will?
Es braucht keine Antwort. Keinen Entscheid.
Nur Ehrlichkeit dir selbst gegenüber – denn oft entsteht genau dort wieder Verbindung.
Manchmal braucht es Mut zu bleiben.
Manchmal Mut zu gehen.
Und fast immer Mut, ehrlich hinzuschauen



Liebe Susanne, das hat mich gerade sehr abgeholt. Schutz vs. KLARHEIT. SPÜREN. ERKENNEN- die Antwort liegt immer in MIR.
Herzensdank für dein Wirken.🙏❤️
Liebe Susanne, gerade zu einer Zeit, wo es hier auch um dieses Thema geht: Gehen oder Bleiben? Danke für diesen wunderbaren Artikel und seine Perspektiven.
Herzensgrüße zu dir. Corinna